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Pädagogische Wertung:
Die Assassins Creed Reihe ist ein Paradebeispiel, wie man die USK austricksen kann. Seit dem ersten Teil mordet und meuchelt ihr euch durch den vorderen Orient zur Zeit der Kreuzzüge oder im Renaissance-Italien, als ob es morgen kein Morden mehr gäbe. Das wird gerade bei "Abschluss-Attacken" gerne auch mit entsprechender Zeitlupe und Blut ( das zwar standardmäßig ausgeschaltet ist, jedoch unkompliziert aktiviert werden kann ) dargestellt. Jetzt mag man meinen, dass allein durch die Tatsache, Menschen zu töten, noch dazu im Rahmen einer Selbstjustiz, dieses Spiel eine Freigabe nur für Erwachsene zu erhalten hat, doch weit gefehlt. Ist eigentlich alles nur eine Art Traum und die Haufen getöteter Boriga und Templer sind nur Erinnerungen eines zynischen Barkeepers. Wie auch immer die USK hier ihre Kriterien bewertet, für mich ist Assassins Creed immer schon ein 18er gewesen und das ändert sich auch nicht beim neuen Teil der Serie. Für Nachwuchs-Assassinchen ist das Spiel meiner Meinung nach nichts, alle anderen dürfen sich schon mal die Unterarmklinge anlegen.
Geschichtsunterricht Zunächst wird mit einem Epilog kurz die Vorgeschichte erzählt, die Neueinsteigern zwar eher den Anreiz geben soll, die ersten beiden Teile zu kaufen, jedoch recht gut die Hintergründe erklärt, sowohl von Desmond, Altair und Ezio. Jetzt mögen sich manche Leser fragen, von wem ich hier rede, daher so kurz wie möglich einen Einstieg, ohne den es nicht geht: Die heutige Welt wird immer noch von einem Machtkampf im Hintergrund beherrscht, der zwischen den Templern, oder Tempelrittern, und den Assassinen ausgefochten wird. Im Kern dreht sich diese Auseinandersetzung um göttliche Artefakte, den "Edensplittern" ( etwas unschön aus dem Englischen "Piece of Eden" übersetzt ), die es in erster Linie dem Besitzer erlauben, die Menschen unter Kontrolle zu bekommen und sie als willenlose Anhänger seiner Sache zu nutzen. Die Templer möchten den Edensplitter dazu nutzen, die Assassinen versuchen dies zu verhindern. Um diese jedoch in der heutigen Welt zu finden, wurde ein zynischer Barkeeper, Desmond Miles, von den Templern entführt und in einer Maschine, ein Animus, die über die Generationen vererbte Erinnerungen wieder herstellen kann, eingebunden, um sich über die Erinnerungen an Assassinen in der Vergangenheit die Standorte dieser Splitter zeigen zu lassen. Im ersten Teil der Serie landete man in der Figur Altair, die zur Zeit der Kreuzzüge Richard Löwenherz im Heiligen Land in eine große Verschwörung verwickelt wird, um am Ende des ersten Teils es zur Hauptaufgabe der Assassinen macht, den Templern Einhalt zu gebieten und diese zu bekämpfen. Seitdem liegen die beiden Parteien im Krieg. Im zweiten Teil landet man als Desmond, der inzwischen von den Assassinen der Neuzeit befreit wurde, in der Figur Ezio Auditore, einem Sprössling einer wohlhabenden Familie in Florenz zur Zeit der Renaissance, der von der Assassinen-Tätigkeit seines Vaters nichts weiss, bis durch eine Verschwörung seine Brüder und sein Vater hingerichtet werden. Von Rache getrieben findet Ezio Schutz bei seinem Onkel in Monteggiori, wo er alles über die Assassinen erfährt. Aus dem Rachefeldzug gegen die Mörder seines Vaters weitet sich der Krieg der Assassinen gegen die Templer immer weiter aus und schließlich nimmt Ezio die Aufgabe an, den Kampf seines Vaters für die Sache weiter voranzutreiben. Mit dem Sieg über den Papst Alexander VI., besser als Rodrigo Borgia bekannt, in Rom endet der zweite Teil. Ebenso mit der Flucht der Assassinen in der heutigen Zeit vor den Templern. Soviel zur Vorgeschichte.
Assassins Creed Brotherhood beginnt nahtlos mit dem Ende des zweiten Teils und macht von Beginn an klar, dass man nicht als überteuertes Add-on oder Mogelpackung gelten will. Sofort packt einen die Story, die mit kurzen Spieleinlagen weitergeführt wird. Selbst als Fan der Serie fällt mir kaum auf, dass hier Neulingen die Steuerung erklärt und nahegebracht wird. Wer die ersten Teile kennt, freut sich, dass sich rein gar nichts geändert hat. Wir fliehen erstmal aus Rom, um uns zu Hause zu sammeln, wobei wir mit unserem Onkel Schneisen durch gegnerische Wachen schlagen. In Monteggiori, unserer Villa und Basis, können wir nun etwas herumklettern und fechten üben, der große Knall, wortwörtlich, kommt dann an einem Morgen: Die Borgia haben sich heimlich gesammelt und greifen mit allem an, was die Zeit hergibt; Kanonen, Belagerungstürme, Rammbock, Söldner, Musketen und Sturmsoldaten. Etwas vorweg: Ihr könnt den Angriff nicht abwehren, ihr könnt nur dafür sorgen, dass eure Bevölkerung flieht. Als Ceasar Borgia euren Onkel tötet und ihr mit Glück schwerverwundet fliehen könnt, liegt hinter euch alles in Schutt und Asche. Mit Hilfe des Assassinen Machiavelli ( genau der „Fürst“-Machiavelli ) nistet ihr euch an der Wurzel des Übels ein, in Rom, um dort die Borgia endgültig zu vernichten. Ceasare hat euch herausgefordert, nun soll er ernten, was er gesät hat.
Assassins Creed 2.5? Mitnichten. Diese Befürchtung schlummerte besorgt in allen Konsolen-Assassinen, seit bekannt wurde, das Ubisoft einen eigenen Teil für Ezio nachschiebt. Was aber steckt nun im neuen Teil der Serie? Zu erst ist nicht viel anders, vor allem nicht die Steuerung. Doch nach und nach baut sich der Teil zu einem neuen, interessanten Ableger auf. Was zuerst auffällt sind die neu und besser gemachten Hauptfiguren, die nun optisch besser dargestellt werden. Doch dann breitet das Spiel seine Neuerungen vor einem aus. In Städten reiten, von einem Pferd auf das andere springen und den Wachmann darauf töten, ein Kampfsystem, das die belohnt, die nicht nur in Konterstellung verharren, sondern aktiv angreifen oder die Kampfkombinationen sind nur die Kleinigkeiten, die einem gefallen. Doch erst die Erneuerungen im Spielablauf überzeugen dann den Letzten, hier nicht einfach einen umfangreichen Auftrag zu haben, den man auch hätte herunterladen können. Neben den vielen, die es gibt, seien vier herausgegriffen.
All along the watchtower Rom wird über Ceasare von den Boriga beherrscht und unterdrückt. Deren Einfluss wird mit Wachtürmen symbolisiert, die über die Stadt verteilt sind. Um die Macht der Borgia in einem Bereich zu brechen, müsst ihr den Turm sprengen, damit die Einwohner ein Zeichen sehen, dass die Borgia nicht unbesiegbar sind. Dies lässt sich natürlich nicht mit „Reingehen – Sprengen – Rausgehen“ bewerkstelligen, sondern ist an den Hauptmann der Wache gebunden. Dieser kann selber patrouillieren, sich in einem Wachhaus verkriechen, im Turm versteckt sein oder bewacht umherwandern. Ebenso ist seine Reaktion unterschiedlich. Während der eine euch angreift, kann der nächste vor euch fliehen, sehr schnell sogar. Ohne toten Hauptmann könnt ihr den Turm nicht in die Luft jagen und sollte euch der Flüchtige entwischen, müsst ihr bis zum Schichtwechsel am nächsten Tag warten. Ist der Hauptmann erledigt und der Turm gesprengt, werdet ihr mit wirtschaftlichen Gebäuden belohnt, quasi "Neueröffnung wegen Explosion". Seien es Ställe, Schmiede oder Schneider, diese haben auf jeden Fall Waren, die ihr sonst nirgendwo bekommt. Und der Einfluss der Borgia ist dann ebenfalls Geschichte. Als taktisches Element dienen Türme zur Reinigung des Gebiets von Wachen, denn ist der Turm explodiert, verlassen fluchtartig alle Borgia-Soldaten das Areal um das Statussymbol. Wer also auf dem Weg zu seinem eigentlichen Hauptziel weniger Wachen begegnen möchte, kann die Sprengung des Turms in seinen Plan einbinden und sich dann ungestörter an das Ziel heranpirschen.
Streben nach Perfektion Teil 2 hatte viele mehr oder weniger schwere Aufgaben, sei es für die Hauptgeschichte oder nebenbei, doch eines hatten sie alle gemeinsam: War sie erledigt, war die Gesundheit Ezios wieder voll hergestellt. Dies wurde nun für etwas mehr Dramatik geändert. Nur wenn ihr den Auftrag nach Vorgabe erfüllt, seid ihr komplett wieder hergestellt. Diese Vorgaben werden euch zu Beginn genannt und sind verschiedener Art. Als kleine Auswahl müsst ihr zum Beispiel das Opfer nur mit der Unterarmklinge töten, euch nur über Dächer bewegen, nicht ins Wasser springen, den Gegner durch Schubsen in ein Gerüst töten, Katakomben in einem Zeitrahmen durchqueren oder keinen Gesundheitsbalken verlieren. Nur wenn ihr diese Vorgabe für euren Auftrag erfüllt habt, gibt es wieder 100% Gesundheit. Da aber alle Taten auch ohne das Erreichen einer einzigen Vorgabe erledigt werden können, ist diese Komponente weniger für Einsteiger als mehr für ehrgeizige Meister-Assassinen gedacht, denn heilen kann man sich nach wie vor mit Medizin und die finanzielle Belohnung bleibt auch die selbe. Das allein durch diese kleine Veränderung die Motivation so sehr gesteigert werden kann ist schon aufregend.
Notruf Rom wird, wie jetzt dem Letzten bekannt ist, von den Borgia beherrscht. Demnach dümpeln auch nicht nur ein paar Behelmte durch die Gassen, sondern sind mit starken Streifen omnipräsent. Fallt ihr auf oder geratet ihr in ein Gefecht steht ihr in kürzester Zeit einer Heerschar von Soldaten gegenüber, von leicht Bewaffneten über Zweihandwaffenkämpfer bis zu berittenen Wachen. Um dieser Übermacht Herr zu werden, könnt ihr im Verlauf des Spiels einfachen Bürgern helfen, die sich nach eurer guten Tat eurer Sache anschließen und in den Bund der Assassinen aufgenommen werden. Von Machiavelli trainiert, könnt ihr diese im Gefecht zu euch rufen und mit vereinten Kräften den Gegner niederringen. Hierbei könnt ihr auch die Ziele bestimmen, was euch bei euren Aufträgen noch mal taktische Möglichkeiten gibt. Entweder eure Brüder in Taten erledigen die Wachen und ihr könnt euch an das Hauptziel heranmachen oder ihr jagt eure Mitstreiter direkt auf das Primärziel. Ab einem bestimmten Punkt wird diese Bruderschaft jedoch so mächtig, dass die Balance etwas zu euren Gunsten kippt. Aber man muss ja nicht nach ihr rufen… Obwohl ihr selbst nicht in eine andere Stadt reisen könnt, dürft ihr jedoch eure Anhänger einen Europatrip bescheren und sie in Städten wie Köln, Mailand oder Madrid ( jaja, ich weiss, Hauptsache Italien…) Aufträge erledigen lassen. Das bringt euch Geld in die Kasse und dem Assassinen, den ihr geschickt habt, neue Fertigkeiten. Ubisoft gelingt es dabei, dem Spieler wirklich das Gefühl zu vermitteln, hier eine Untergrundbewegung aufzubauen und zu leiten, die wächst, sich verbessert und organisiert ist. Diese Atmosphäre hatte ich seit Jagged Alliance 2 nicht mehr.
Ihr seid nicht allein Es gibt ihn wirklich. Assassins Creed mit Multiplayer. Was für ein Traum. Ja, natürlich ist er für eingefleischte Mehrspieler-Freunde zu lasch, nicht abwechslungsreich genug und Ausbaufähig, vor allem bei den Karten. Aber das steht bestimmt schon der nächste herunterladbare Inhalt zur Verfügung. Doch was Ubisoft aus dem Part gemacht hat, ist genau das, was ich erwartet habe. Ihr startet mit der Auswahl eines Assassinen eurer Wahl, sei es als Arzt, Kurtisane, Henker oder Kaufmann ( insgesamt acht Charaktere stehen zur Auswahl ) und stürzt euch in die Karte und euren Auftrag, der immer gleich ist: Töte dieses Ziel. Doch anstatt mit mehreren Mitspielern ein Wettrennen auszutragen, wer zuerst das Ziel um die Ecke bringt, ändert Ubisoft den Plot etwas ab. Ihr seid nicht nur Attentäter sonder ebenfalls Opfer zugleich. Denn ein anderer Mitspieler soll euch um die Ecke bringen. Ihr könnt euch verbünden, doch ihr wisst nicht, ob euer Waffenbruder nicht eigentlich euer Henker ist und euch kurz vor eurem Ziel seinen Dolch in euren Rücken stößt. Wer sein Ziel zuerst erledigt hat, ist Sieger. Die Charaktere sind jedoch gut gewählt, denn durch ihre Tarnung könnt ihr euch verstecken. Schlendert als Kaufmann mit anderen Betuchten in Gruppe durch die Stadt, seid ihr ebenso gut untergetaucht wie ein Arzt, der am Rande eines Platzes steht. Bonuspunkte gibt es für das Töten aus der Deckung oder den Sieg zu kassieren ohne einmal erkannt zu werden. Hier wurde wirklich das Bestmögliche eines Mehrspielermodus für diese Reihe umgesetzt.
Die Saga Ezios ...endet mit diesem Teil definitiv. Das dramatische und emotionale Ende zieht einen aber ebenso in den Bann wie das ganze Spiel. Nach 14 bis 17 Stunden läuft die Mitwirkenden-Liste über den Fernseher, man sitzt mit offenem Mund auf der Couch und denkt sich nur „Oh mein Gott! Wie wollen die Teil 3 nächstes Jahr noch besser machen?“ Dann denkt man an Spaltenverschiebung in der Grafik ( Tearing ) oder an die Bevölkerung Roms, die immer noch konfus, manchmal eintönig oder lieblos gestaltet durch die Stadt wandert. Aber das sind Details, die einen nur stören, wenn man entweder Ubisoft oder Assassins Creed nicht mag. Auch die äußere Rahmenhandlung ist relativ belanglos und langweilig, aber die dient sowieso nur zwei Zwecken: Einmal die Meuchelei in einen Rahmen zu betten, der es Ubisoft erlaubt, sich mit „alles nur Traum“ aus der Affäre zu ziehen und zweitens eine Verknüpfung zu haben, mit der man von einer Epoche und einer Figur zur nächsten springen kann, ohne sich lange mit der Zeit dazwischen zu beschäftigen. Was passierte denn beispielsweise zwischen 1158 und 1460 mit dem Krieg zwischen Assassinen und Templern? Ist so was von egal. Assassins Creed Brotherhood ist der großartigen Spielfigur Ezio Auditore gewidmet, denn dieser hat die Serie populär und wirtschaftlich erfolgreich gemacht. Das Ubisoft deshalb ein weiteres umfangreiches Abenteuer aus dem Kampf der beiden Parteien um diesen zynischen Florentiner strickt ist Dank an sich selbst und an uns Spieler, auch gerade die weiblichen, die mehr um die Figur Ezio und seinen Kampf gegen die Borgia haben wollten. Da hat halt ein Desmond Miles keinen Platz.
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Holger meint: Und wieder eine eins. Assassins Creed entwickelt sich zum Klassenprimus. Warum aber, wenn das Spiel nicht perfekt ist? Meine Deutscharbeiten waren früher nur selten perfekt, also fehlerfrei und trotzdem immer eine eins ( Ja, Streber, habe auch oft genug dafür von Mitschülern die Hucke voll bekommen! ). Aber sie wurden fast immer vorgelesen, rührten zu Tränen oder stießen eine hitzige Debatte an. Sie waren sehr gut, weil sie berührten oder polarisierten und sie rissen manche in der Klasse aus der Lethargie, das Deutschunterricht nur von Pollunderträgern gemocht werden kann ( ich hatte nicht einen…). Meine Bedingung für eine eins bei Spielen ist bekannt: Es muss Leute, die sich noch nie von Konsole oder Videospielen begeistern konnten, dazu bringen, den Kontroller in die Hand zu nehmen und es selber zu versuchen. Und es eigentlich ganz interessant finden. Und es dann mögen. Und dann – wie es weiter geht, weiss jeder Videospielveteran. Assassins Creed Brotherhood entzündet dieses Feuer auch dieses Mal wieder. Teil 2 holte meine Frau an die Konsole, die die Atmosphäre, die Story, die Epoche und die Toskana liebt und jetzt sehnsüchtig auf den neuen Teil wartete. Assassins Creed Brotherhood hat wieder diesen Effekt, holt wieder Leute an die Geräte, verzaubert und begeistert und es ist nur eine Frage der Zeit, wann meine nächste Bekannte oder Verwandte mich fragt, ob sie auch mal durch Rom laufen kann. Wenn der erste Kampf überstanden und die Geschichte ihren Lauf nimmt, weiss ich, dass wieder ein neuer Spieler gewonnen wurde. Willkommen bei den Zockern, willkommen in der Bruderschaft! |
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Endlich ist es wieder so weit. Zum dritten Mal öffnet die gamescom ihre Tore und lockt damit Videospieler aus aller Welt...




