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Pädagogische Wertung:
"Wii Fit" ist kein Videospiel im klassischen Sinne und zeigt nur zweckmäßige Abbildungen von Fitnessstudios, Turnhallen, Skipisten oder Urlaubsinseln. Der Titel ist nicht jugendgefährdend und darf daher, wie auch von der USK bestätigt, von jedem benutzt werden. Natürlich gilt wie immer beim Sport, dass gerade die Jüngeren es nicht übertreiben und den Titel nur in begrenztem Maße nutzen sollten. Wenn sich ein Kind unter acht Jahren an Yoga- oder Balance-Übungen versucht, sollte dies in der Regel kein Problem sein; von den Muskelübungen, die bei falscher Ausführung gerade bei noch wachsenden Kindern schädlich sein können, sollte man die Jüngeren fernhalten beziehungsweise sehr genau beobachten und ihnen Ratschläge geben.
Teufelskreis der modernen Welt Es ist kein Geheimnis, dass die Einwohner wohlhabender Nationen seit einigen Jahrzehnten tendenziell dicker und untrainierter werden; einen großen Anteil an dieser Entwicklung hat mit Sicherheit der Wandel des Arbeitsmarktes, in dem körperliche Arbeit zurückgeht und ein Großteil der Bevölkerung Bürojobs, wie im boomenden Dienstleistungsgewerbe, nachgeht. Nicht zuletzt sei auch das rasant wachsende Angebot an verschiedensten Medien genannt, insbesondere der Unterhaltungselektronik, zu der natürlich auch Videospiele zählen. Während es früher selbstverständlich war, seine Freizeit an der frischen Luft und vor allem in Bewegung zu verbringen, bildet das Sitzen vor dem Fernseher oder dem Computer heutzutage den Großteil der Freizeitgestaltung eines durchschnittlichen Bürgers. Gleichzeitig möchten viele Menschen zum Abbild der durchtrainierten und gutaussehnden Frauen und Männer aus dem Fernsehen oder von den Titelseiten aktueller Zeitschriften werden; die Scham für den eigenen Körper und dessen Mängel wird immer größer . So trauen sich nur wenige, um dem Problem entgegenzuwirken, sich in einem Sportverein oder Fitnessstudio anzumelden, da sie Angst vor einer Blamage in der Öffentlichkeit haben.
Das eigene Fitnesscenter Die Idee von "Wii Fit" trifft daher genau den Zeitgeist: Das Programm verspricht ein unterhaltsames Training im eigenen Wohnzimmer, welches mit umfangreichen Statistiken und Gesundheitstipps dem Nutzer helfen möchte, den Weg zum idealen Körper einzuschlagen. Neben der Fettverbrennung und dem Muskelaufbau setzt "Wii Fit" dabei auch noch auf die körpereigene Balance und innere Ruhe. Das besondere an dem Programm ist dabei die dem Spiel beiliegende Hardware, das "Wii Balance Board". Dieses Gerät ist eine Art Waage, auf die sich der Nutzer stellen kann und die jederzeit seine Gewichtsverteilung und damit den aktuellen Schwerpunkt ermittelt. Wie von Nintendo gewohnt ist das "Balance Board" perfekt verarbeitet, außerordentlich genau und eingängig bedienbar, äußerst stabil und trotzdem sehr leicht und damit platzsparend, kann man es doch jederzeit gut verstauen. Einziges Manko des "Balance Board" ist, dass vier Batterien für die Benutzung gebraucht werden; da das Board sowieso immer fest auf dem Boden steht hätte Nintendo auch ein Netzkabel mitliefern können, um den unnötigen Batterieverbrauch einzusparen.
Weg mit dem Speck Genau wie "Dr. Kawashimas Gehirn Jogging" das geistige Alter des Nutzers ermittelt, gibt "Wii Fit" nach einem täglichen Körpertest ein "Wii Fit Alter" an, welches den körperlichen Zustand des Nutzers wiedergeben soll. Da diese Altersberechnung allerdings rein auf Balanceübungen beruht, fällt es schwer, diesem Richtwert tiefen Glauben zu schenken. Nebenbei ermittelt "Wii Fit" während diesem täglichen Test noch das Körpergewicht sowie den BMI (Body Mass Index) des Nutzers; alle diese drei Größen werden in einer Statistik niedergeschrieben, sodass man als Nutzer seine körperliche Entwicklung jederzeit gut nachvollziehen kann. Bis zu acht Benutzer können sich bei "Wii Fit" ein eigenes Profil erstellen, indem sie ihren Namen und ihr zuvor erstelltes Mii auswählen; auf einen Blick können die Statistiken aller Nutzer so jederzeit verglichen werden.
Das Kernstück von "Wii Fit" bildet allerdings der Trainings-Modus - hier kann der Nutzer aus 40 Übungen auswählen, die im Laufe der Zeit durch intensives Training freigeschaltet werden. Der Nutzer hat hier die Wahl, ob er seine Körperhaltung durch Yoga-Übungen verbessern, mit Aerobic-Übungen seine Fettverbrennung antreiben oder durch Muskeltraining ebendiese aufbauen möchte; einige Balancespiele dienen zum Ausgleich des Trainingsprogramms. Für jede einzelne Übung existiert noch ein kleiner Text, der etwa erklärt, welche Muskelpartien genau mit der Übung trainiert werden oder wie die Übung für eine bessere Körperhaltung sorgt.
Entscheidet sich der Nutzer für eine Yoga- oder Muskelübung, wird eine Art Fitnessraum dargestellt in dem - je nachdem wofür sich der Nutzer zuvor entschieden hat - ein männlicher oder weiblicher virtueller Trainer die folgende Übung zuerst vormacht und dabei insbesondere erklärt, wie man sich zu bewegen und auf dem Balance Board zu positionieren hat. Während der Übung geht der Trainer auch noch auf unsere Leistung ein, die das Programm anhand des Balance Boards misst - so wird beispielsweise ein starkes Zittern oder eine zu starke Neigung des Körpers bemängelt. Eine abschließende Bewertung spiegelt die Leistung wieder und spornt an, die Übung beim nächsten mal sauberer zu absolvieren.Die Aerobic-Übungen zielen dagegen auf ausdauernde Bewegungen sowie ein gutes Rhythmusgefühl ab; beim Boxen, Hula-Hoop oder beim Joggen fließen die Schweißperlen in Strömen und man spürt förmlich, wie der Körper das eigene Fett verbrennt. Erfolge werden hier - in Punktzahlen umgerechnet - abgespeichert und können mit den Ergebnissen anderer "Wii Fit" Nutzer verglichen werden.
Für Unterhaltung und Abwechslung sorgen die gelungenen Balancespiele, in denen sich der Spieler beim Ski- oder Snowboard-Slalom, beim Skispringen, beim Balancieren über ein Seil und bei vielen anderen Spielen von dem harten Training erholen kann. "Wii Fit" schult hier die motorischen Fähigkeiten des Nutzers; vor allem aber zeigt das Programm auf, was für ein Potential noch in dem Balance Board steckt. Für absolvierte Übungen erhält der Nutzer sogenanntes "Fit Guthaben", ein Wert der die Zeit angibt, die der Nutzer mit "Wii Fit" verbracht hat; je nach Anspruch der Übung variiert die Gutschrift des "Fit Guthaben" allerdings ein wenig. Wer möchte, kann außerdem noch seine körperlichen Aktivitäten, die er außerhalb von "Wii Fit" geleistet hat, dem "Fit Guthaben" hinzufügen. "Wii Fit" unterscheidet dabei zwischen leichten Tätigkeiten, wie Tischtennis spielen oder Kochen, mittleren Aktivitäten, wie spazieren oder putzen und schweren Aktivitäten, wie Fahrradfahren. Eine schöne Idee, dass man auch solche Aktivitäten seinem "Fit Guthaben" und damit der Statistik hinzufügen kann; schade nur, dass man nicht einmal einen kleinen Kommentar hinzufügen kann, um auch Wochen später noch die eigene Leistung nachvollziehen zu können.
Auf sich selbst gestellt Ein dicker negativer Punkt an Wii Fit ist die mangelnde Schulung des Nutzers, die aus zu kurzen Erklärungen resultiert. Zwar ist die ständige Messung der Gewichtsverlagerung durchaus eine Hilfe, um eine Übung richtig auszuführen, viel wichtiger wäre allerdings eine detaillierte Einweisung in die entsprechende Übung und eine Warnung vor möglichen Risiken. So wird an keiner Stelle im Spiel erwähnt, dass man besonders darauf achten soll, seine Bauchmuskeln anzuspannen, um den Rücken zu entlasten. Auch auf Risiken wie Muskelfaserrissen, die durch das ruckartige Lösen einer Dehnübung entstehen können, weist "Wii Fit" nicht hin. Bei den sogenannten "Duell"-Übungen, in denen der Nutzer eine Übung so lange wie möglich ausführen soll, wäre eine Warnung vor einer Überstrapazierung des Körpers außerdem mehr als sinnvoll gewesen. Die Aerobic-Übung "Joggen" halte ich sogar in der dargestellten Form für absolut schädlich für den Körper - da beim Laufen auf der Stelle das überaus wichtige Abrollen der Füße nicht möglich ist, können die Gelenke hier arg überstrapaziert werden - besonders wenn man die Übung "30 Minuten Joggen"anwählt.
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Felix meint: Von dem Fitnessprogramm "Wii Fit" habe ich mir mehr erwartet. Zwar ist die Idee und auch das Konzept wirklich gut, mit Hilfe des vergleichsweise günstigen "Balance Board" einen teuren Heim-Trainer zu ersetzten, für ein immerhin 90 Euro teures Produkt finde ich die Umsetzung allerdings etwas lasch und nicht konsequent genug. Neben den angesprochenen Gesundheitsrisiken und Möglichkeiten zur Vermeidung ebendieser, auf die und das Programm kaum oder stellenweise gar nicht hinweist, fehlt in "Wii Fit" eine tiefere Hilfestellung, die den Benutzer durch sein Training führen könnte. In meinen Augen wäre zum Beispiel eine Selbsteinschätzung des Nutzers zu Beginn des Trainings sinnvoll gewesen, in der er dem Programm seine Gewohnheiten in Sachen Sport, Ernährung, Beruf, Freizeitgestaltung und weiteren Dingen übermittelt. Anhand solcher Daten sowie eines Fitnesstests könnte für den Nutzer ein Individueller Plan zusammengestellt werden, der neben den zu absolvierenden Übungen auch noch Hinweise auf eine Umstellung der Lebensweise oder der Ernährung beinhalten könnte. Wenigstens individuelle Hinweise, etwa darauf, dass ein stark übergewichtiger Mensch sich mit Aerobic-Übungen beschäftigen sollte, um Fett abzubauen, bevor er sich an die anspruchsvollen und eventuell gefährlichen Muskelübungen wagt, wären möglich gewesen. "Wii Fit" verschenkt so leider sehr viel Potential, denn im Ansatz und in weiten Teilen der Umsetzung ist das Programm wirklich zu empfehlen. Ein regelmäßiges Training in einem Fitnessstudio oder einem Sportverein kann der Titel so nicht ersetzen, besonders dann nicht, wenn der Nutzer mögliche Gefahren beim Training nicht erkennen kann. Dass die 90 Euro trotzdem keine Fehlinvestition sind, ist dem genialen "Balance Board" zu verdanken, dass in Zukunft wohl noch für einige Videospiele einsetzbar sein, und für ein fantastisches Spielgefühl sorgen wird. |
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Endlich ist es wieder so weit. Zum dritten Mal öffnet die gamescom ihre Tore und lockt damit Videospieler aus aller Welt...




