Auf der gamescom traf ich Vincent Pontbriand ( Producer ) und Gaelec Simard ( Mission Director ) von Ubisoft, die mir ein paar Neuerungen vom neuen Teil der Attentäter-Serie vorführten. Was gibt es also Neues in Rom?
Bluts-Brüder Eine der markantesten Neuerungen ist die Bruderschaft selbst, die wir in Rom aus dem Untergrund gewinnen. Überall in der Stadt finden wir Einzelkämpfer, die von Wachen der Borgia bedrängt werden. Retten wir diese Renegaten bieten wir ihm an, sich unserer Bruderschaft der Assassinen anzuschließen, was diese in der Regel dann auch tun. Je mehr wir von solchen Kämpfern rekrutieren, desto häufiger haben wir die Möglichkeit innerhalb eines Kampfes Verstärkung zu rufen. Die Anzahl der Assassinen, die wir anfordern können ist dabei als kleine Balkenanzeige unter der Lebensanzeige zu sehen. Einmal gerufen, tauchen Assassinen aus ihrem Versteck auf und helfen uns gegen die Gegnerhorden. Haben sie ihr Soll erfüllt oder nehmen sie zuviel Schaden, machen sie sich wieder vom Acker, um nach einer kurzen "Aufladephase" wieder zur Verfügung zu stehen. Für alle notorischen Einzelgänger unter uns: Man muss die Jungs nicht zum Spielen rufen, man kann. Ihr könnt euch also wie gehabt alleine gegen 40 Gegner stemmen oder das Ganze abkürzen, indem ihr euch helfen lasst.
Alle Wege führen aus Rom Eine weitere Möglichkeit, eure Brüder einzusetzen, besteht darin, sie auf Attentatsmissionen in ganz Europa zu schicken. Leider habt ihr nicht die Möglichkeit, selber international tätig zu werden, aber das wäre vielleicht doch zuviel verlangt gewesen, binnen 12 Monate acht Städte so detailverliebt zu implementieren, wie Ubisoft das mit Florenz, Venedig oder San Gimigiamo getan hat. In einem Menübildschirm könnt ihr einen der euren ausrüsten, umkleiden oder spezialisieren und ihm durch Training bessere Fähigkeiten verschaffen. Aufträge, in ganz Europa gegen die Borgia vorzugehen gibt es genug, als Beispiel wäre da ein Schatzmeister in Köln, dem man seine Lebenslinie kappen sollte. Ihr sucht also den passenden Mann für diese Mission, wobei ihr die Stärke des Gegners berücksichtigen müsst. Als Anhalt für den Erfolg des Attentats wird die Wahrscheinlichkeit in Prozent angegeben, ob der Anschlag scheitert oder nicht. Ihr schickt also "Alfredo" nach Köln, um mit 80%iger Sicherheit den Schatzmeister zu beiseitigen. Hat euer Assassine den Auftrag erledigt, winken ihm Erfahrungspunkte und euch die Kohle für den Auftrag. Natürlich kann der Abgesandte auch spezielle Items finden, die ihr entweder selbst behaltet oder dem Assassinen überlasst. Wie schon der Wirtschaftspart in Assassins Creed 2 ist das alles aber nur als Beiwerk dabei, Brotherhood ist deshalb kein Strategiespiel geworden. Nur ist diese Funktion sehr abwechslungsreich und auf jeden Fall bereichernd für das Spiel selbst. Nach wie vor gibt es aber auch Attentate, die Ezio selbst erledigen kann, aber eben nur in Rom.
Turm-Sturm Das Trumkraxeln ist ja schon aus den beiden ersten Teilen bekannt, in Assassins Creed Brotherhood gibt es jedoch auch hier was Neues. Bestimmte Wachtürme, die von den Borgia kontrolliert werden und erobert werden können. Dazu schleicht ihr euch in das Gebäude und sucht den Turmwächter, zu erkennen an dem weißen Cape. Entweder ihr erledigt ihn schnell und sauber, oder er erkennt euch und rennt davon. Schafft er es aus dem Turm, müsst ihr die nächste Wachschicht abwarten und es erneut versuchen, erwischt ihr ihn jedoch rechtzeitig, sind die Wachen dermaßen in Panik, dass sie schreiend davonlaufen, auch wenn sie euch bis eben noch gejagt haben. Allein im Turm sprengt ihr das Prestigeobjekt der Borgia eindrucksvoll in die Luft und vertreibt damit großflächig alle Wachen in der Umgebung. Das ist taktisch insofern interessant, um vor einer Mission, bei der viele Wachen euer Ziel beschützen, die Anzahl der Gegner drastisch reduzieren kann, sofern ein Wachturm in der Nähe steht. Zudem könnt ihr nach dem zerstörten Turm ein Geschäft ( Schneider, Arzt oder andere ), die man aus Teil zwei schon kannte. Diese haben aber nun nicht mehr nur das übliche Programm auf Lager, sondern führen immer besondere Waffen, Ausrüstungen oder andere spezielle Gegenstände, die ihr euch aneignen könnt.
Hopp tausend, zwo tausend... Natürlich hat Ezio seine Freunde wie Machiavelli und Leonardo da Vinci nicht vergessen, ebenso wie seine Freunde ihn. Während der große Stratege eure Bruderschaft trainiert ( was ihr aber auch selbst machen könnt ), versorgt euch Leonardo weiter mit Waffen und Zubehör. Vornehmlich zu erwähnen ist ein Fallschirm, mit dem ihr eure Sprungreichweite etwas ausbauen könnt und auch weiter entfernte Gebäude erreicht, ähnlich den Ikarus-Flügeln in God of War. So wird Ezio zum ersten Base-Jumper der Welt.
Als Waffe ist endlich die Armbrust hinzugekommen, die man aus dem Vorspann zum ersten Teil schon kannte. Dabei ist Ezio flüssiger und schneller im Kampf und bei der Kombination seines tödlichen Arsenals. Generell ist das Kampfsystem besser und ausgefeilter als zuvor. Natürlich funktioniert nach wie vor noch der Klassiker „Warte und konter!“ aber aktivere Spieler kommen jetzt auch besser voran. Nur wer aggressiv angreift, hat die Möglichkeit, sich beim Schwertkampf wirklich zu steigern und so führt Ezio Kombinationen mit der Zeit besser, schneller und effektiver aus. Es greifen jetzt auch mehrere Gegner gleichzeitig an, wenn man zu lange wartet, was die etwas öde Konteraktion erschwert. Wer Assassins Creed kennt weiß, das man selbst Gegnerhorden dadurch besiegt hat, indem man eine Verteidigungsposition einnahm und im entscheidenden Zeitpunkt den Angriff des Gegners abgewehrt und direkt gekontert hat. Mein Rekord im ersten Teil liegt bei siebzig Gegnern, die ich auf einem Marktplatz in Damaskus dahingerafft habe, im zweiten Teil habe ich die halbe Wachmannschaft von Venedig damit dahingerafft. Das ist zwar beruhigend, weil man sich bei Kämpfen keine Sorgen machen muss, aber wirklich herausfordernd ist es nicht. Jetzt kann Ezio aber schneller und besser angreifen, was wirklich Spaß macht. Den ersten Gegner mit der Doppelklinge angegriffen, den zweiten zurückgestoßen, ein Block, ein Konter, ein schwerer Angriff von mir mit dem Schwert, die Armbrust gegriffen, den anstürmenden vierten Gegner abgeschossen, Armbrust wieder auf den Rücken, Attacke mit dem Schwert, schnell gedreht und den Rohling in Rüstung mit der Unterarmpistole erschossen, zwei Kavalleristen mit Wurfmessern gleichzeitig vom Pferd gerissen, das Zweihandschwert vom gefallenen Rohling aufgehoben und es dem nächsten anstürmenden Borgia entgegengeschleudert. Als der getroffen wird, reißt es ihn nach hinten weg, während ich wieder mit der Doppelklinge gerade zwei Wachen gleichzeitig ins Jenseits befördere. Das alles klingt mehr nach Kampf als „Ich warte, bis mich einer angreift, dann kontere ich. Das mache ich solange, bis alle Wachen tot sind.“
Asassins Creed Brotherhood ist quasi schon fertig, ein paar Details fehlen noch, aber dann geht es nach Rom die Borgia bekämpfen. Neben Mafia 2 wird Asassins Creed Brotherhood dieses Jahr das beste Actionspiel, auch wenn es nicht ganz so umfangreich ist, wie der zweite Teil. Aber für einen Vollpreis-Spin-Off ist es unwahrscheinlich gut. Für alle, die ewig gebraucht haben, das letzte Siegel in Asassins Creed 2 zu holen, eine schlechte Nachricht: beim Sturm auf Monteggiori haben die Borgia alles zestört - auch Altairs Rüstung. Wie sagte Vincent Pontbriand zu mir „Ein Grund mehr, die Borgia zu hassen!“ Na dann… Für die große Schar an weiblichen Assassinen, die da draußen sind: Es gibt leider keine umfangreicheren Shoppingmöglichkeiten. Kein Schuhladen, kein Juwelier, kein Accessoire-Lädchen. Das Geld wird für den Krieg benötigt. Und Gott sei Dank hat sich Ezio kein Püppchen angelacht, die das alles verlangt ( man stelle sich das mal vor „Kannst du bitte deine Klingen nach jedem Attentat sauber machen? Die machen immer Flecken auf den Teppich, die kriegt man nie wieder raus! ).
Asassins Creed Brotherhood wird ein Kracher, soviel steht fest. Rom sieht im Spiel fantastisch aus, die Story ist gut, die Neuerungen sinnvoll und gut implementiert und selbst wenn wir aus Rom nicht rauskommen – die Borgia werden ab November nichts mehr zu lachen haben. Oder wir, denn der Mehrspielermodus hört sich verdammt interessant an...
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Endlich ist es wieder so weit. Zum dritten Mal öffnet die gamescom ihre Tore und lockt damit Videospieler aus aller Welt...




