Da sitzt also wieder eine Gemeinde vor dem Scherbenhaufen eines Hackerangriffs, aber anstatt sich über die Verursacher aufzuregen, beschwert man sich über den Anbieter. Seit über einer Woche ist nun das Playstation Network lahmgelegt, Anmeldeversuche scheitern mit der Meldung „Das Playstation Network wird zur Zeit gewartet“. Naja, kommt ja immer wieder mal vor, aber nun schon zehn Tage? Die Firmenpolitik von Sony ist dabei sicher nicht immer die beste, aber seit einiger Zeit steht fest: Das Netzwerk wurde massiv angegriffen, Benutzerkonten wurden gehackt, mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit auch Kreditkarteninformationen ausgelesen. 75 Millionen PSN-Nutzer weltweit gucken daher in die Röhre, was das Onlineangebot angeht, wie viele davon noch weitere Schäden bezüglich Kreditkartenmissbrauch oder andere finanzielle Nachteile haben werden ist noch unklar.
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| Wegen Wartungsarbeiten nicht erreichbar: PS Network |
Hämisch oder vorwurfsvoll stürzt man sich hierzulande erst einmal auf Sony und stellt das System, den Onlinedienst oder die gesamte Firmenpolitik an den Pranger. Dabei hat Sony ja nicht den Hackerangriff begangen, sondern IT-Poseure, die ohne Rücksicht auf Schaden anderer ihr Scheuklappenkönnen vor anderen beweisen müssen. Um den aktuellen Vorfall im Gesamten zu überblicken, muss man etwas zurückblicken. Durch die Möglichkeit, Linux auf die PS3 zu spielen, war für die meisten Hacker die Konsole quasi ein offenes System, demnach auch für sie akzeptabel und für Attacken uninteressant. Sony war also brav und bot der Gemeinde die Möglichkeit, die Konsole entsprechend ihren Wünschen zu nutzen. Doch mit der Zeit kollidierten die Interessen von Sony, der Spieleindustrie und den PS3-Linuxern, da eben das Überspielen des Betriebssystems immer mehr dazu genutzt wurde, kopierte Spiele zu nutzen. Für die Spieleindustrie, zu denen Sony selbst als Major gehört, hatte das besondere Brisanz, da die Lizenzgebühren, die man an Sony für die Portierung auf die PS3 zahlen muss, die höchsten im Gamesbereich sind. Sony bot im Gegenzug ein sicheres System und wer auf die PS3 portierte, konnte mit einem sehr geringen Anteil von "Schwarzspielen"( ich habe in einem anderen Beitrag bereits erwähnt, dass "Raubkopien" allein schon juristisch ein völlig falscher Begriff ist) rechnen. Als fast jedes Linux-System auf der PS3 dazu genutzt wurde, illegal erworbene Kopien zu nutzen, packte Sony das oft benutzte Breitschwert aus und kappte mit einem Firmwareupdate sowohl die Möglichkeit, Linux zu installieren und legte gleichzeitig alle mit Linux laufenden Konsolen lahm. Sony tat dabei nichts Verbotenes oder Impertinentes, man griff lediglich auf ein paar Klauseln in der Lizenzvereinbarung zurück, in der Sony die Möglichkeit hat, das System jederzeit hard- und softwaretechnisch zu verändern. Wer also eine PS3 kauft und den Lizenzvertrag akzeptiert, gestattet Sony, jederzeit das System, vor allem die Firmware, so zu ändern, wie sie wollen. Linux wurde also von der Konsole geschmissen, die Industrie war wieder ruhig. Dafür kochte die Hacker-Gemeinde, die sofort alles daran setzte, die PS3 wieder zu öffnen. Große Solidarisierungskampagnen und Attacke-Aufrufe wurden gestartet und im April 2010 schafften zwei Freaks dann den Durchbruch, kippten das System und installierten wieder ihr Linux auf die PS3. Nun war der Damm gebrochen, weil Hacker ja zum Teil auch ihre Fähigkeit einsetzen, um damit prahlen zu gehen. Dominoartig wurde die Konsole wieder zurückgesetzt und auf Linux gesetzt – nicht um selbst geschriebene Programme oder andere legale Möglichkeiten zu nutzen, sondern vornehmlich und hauptsächlich, um "Schwarzspiele" zu nutzen. Die Reaktion von Sony war abzusehen: Breitschwert, dieses Mal das juristische. Die Hacker wurden verklagt und mit allem, was man an Munition finden konnte, eingedeckt. So wurden zum Beispiel Daten von Nutzern der modifizierten Firmware gegen die Angeklagten genutzt, was Hackergruppen am meisten kritisierten. Die Jagd auf Sony war eröffnet und obwohl man sich kurz vor Ostern dann doch außergerichtlich einigte, war am 22. April 2011 der Angriff auf das PSN dermaßen massiv, dass seit über einer Woche gar nichts mehr geht.
Soviel zu den Zusammenhängen. Was hat Sony also Böses getan, um dermaßen ins Fadenkreuz zu geraten? Es hat ursprünglich dem Nutzer alle Möglichkeiten gegeben, die Konsole frei zu nutzen, in dem es Linux ermöglicht hat. Durch borniertes Verhalten von Wirtschaftsschädigern, die meist nicht aus Armut sondern aus Trotz keine Spiele kaufen wollen, wurde der Vertrauensvorschuss seitens des Herstellers missbraucht, der dadurch in Erklärungsnot gegenüber den Lizenzzahlern, die für mehr Geld auch mehr Sicherheit haben wollten. Sony geriet dadurch in Zugzwang, um das System wieder "Schwarzspielsicher" zu machen. Dies gelingt am effektivsten und sichersten mit einem Firmwareupdate, das man installieren muss, will man die Onlinemöglichkeiten weiter nutzen. Millionen von PS3-Nutzern war es absolut egal, ob man nach dem berüchtigten Update 3.51 weiter Linux nutzen konnte oder nicht, da sie entweder aus Garantiegründen, nicht genügend technischem Verständnis, Desinteresse oder schlicht Faulheit keine Ambitionen hatten, sich Linux auf die PS3 zu ziehen. Nur ein paar wenigen Technik-Aliens stieß dieses Update sauer auf, die sich aber darauf sofort berufen fühlten, diesen Umstand wieder rückgängig zu machen. Für vogelfrei wurde Sony dann von der Hackergemeinde erklärt, als man notwendigerweise die Beweise für ein erfolgreiches Vorgehen gegen die zwei Hacker zu sammeln und zu verwenden. Als dann am 22. April 2011 das System dermaßen schwer attackiert wurde, ging es nicht einfach nur darum, wieder das geliebte Linux auf die Konsole zu bekommen, sondern man stahl gleich mal ein paar Kreditkarten- und Nutzerdateien. Die Hackergemeinde Anonymus, die als Hauptverdächtige galt, gab am 24. April als Statement ab: "Dieses Mal waren wir es nicht; Sony inkompetent" sie schließt aber nicht aus, das einzelne Mitglieder auf eigene Faust gehandelt haben-. Absurd daran ist, dass Nutzer des PSN lieber darauf hoffen sollten, dass es so ist, denn in der Vergangenheit haben Mitglieder dieser Gruppierung noch nie entwendete Kreditkartendaten missbraucht.
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| Kein Linux mehr auf der PS3 wegen "Raubkopien" |
Der Schaden, der jetzt verursacht wurde, geht über die Wartungskosten hinaus. Schon jetzt schätzen Medien den Schaden auf 24 Milliarden Dollar, Tendenz steigend. Etwas Panikmache ist das Argument, dass nun viele auf das Onlineangebot von Microsoft zurückgreifen, doch die Zahl derer, die zwei oder mehr Konsolen parallel nutzen ist überschaubar. Viel mehr hinterlässt der jüngste Angriff Frust bei den Nutzern der PS3, die damit gar nichts am Hut haben und einfach nur eine Konsole nutzen wollen, auch gerne so, wie Sony es gerne hätte. Die Hacker, die oft genug Sympathie von der Bevölkerung ernten, weil sie so clever sind oder den Eindruck von High-Tech-Robin Hoods vermitteln, sonnen sich mit einer Leistung, die unnötiger kaum sein kann. Es war Sonys Verpflichtung nicht nur der Industrie sondern auch den zahlenden Kunden von Spielen gegenüber, etwas gegen den Missbrauch und die Verbreitung von "Schwarzspielen" zu tun. Die Methode mag grob und unsensibel sein, doch wer durch eine Ansammlung von illegalen Kopien nicht nur Sony und den Hersteller von Spielen schädigt, sondern auch den Händler um die Ecke, handelt nicht weniger krud. Bei der Argumentation der Hacker bleibt der ehrliche Verbraucher der Dumme, denn zur Zeit kann er weder Online spielen, Filme ausleihen, Demos herunterladen um Spiele zu testen, Testversionen auf Vollversionen aufstocken, Mehrspielertrophäen ergattern oder noch nicht mal die offline erreichten sichern. Die ganzen Onlinemöglichkeiten werden seitens Sony von Anfang an kostenlos zur Verfügung gestellt, im Gegensatz zum Konkurrenten Microsoft, der sich das rund vier Euro pro Monat kosten lässt. Manch einer hat sich jedoch zusätzlich zum "normalen" Angebot von Sony noch für die „Plus“ Mitgliedschaft entschieden, die jeden Monat kostenlose Angebote brachte. Dies liegt ebenso brach wie das Angebot von Sony, zum Kauf einer PSP go einen Gutscheincode für 10 Spiele zu erhalten, die dann zum Download bereit stehen. Darunter sind Größen wie Gran Turismo 5, Jak & Dexter, Buzz Quiz, God of War und andere Top Titel von Sony. Wer sich aber nun brav anmeldet und den Gutschein erhält, für den nimmt das Wort Wart-ungsarbeiten eine völlig neue Bedeutung an. Abgesehen von diesen "Lappalien" ist der Diebstahl von Kreditkartendaten keine harmlose Sache mehr, egal ob damit Schindluder getrieben wird oder nicht.
Hacker gab es schon mit dem Aufkommen der EDV-Systeme, nur ist deren Nutzen geringer als sie es selbst gerne propagieren. Ebenso gab es immer schon illegal kopierte und vertriebene Spiele und Anwendungssoftware, das stirbt auch nie aus. Doch das pseudo-soziale Engagement, das in erster Linie dem eigenen Ego und den eigenen Interessen dient, schädigt nicht nur Sony, die hier Opfer und nicht Täter sind, sondern auch die Mehrheit der Nutzer der Systeme, die im Falle PS3 das Gerät einfach so nutzen wollen, wie es gedacht ist. Vielleicht braucht Sony einen besseren PR-Berater, mag sein, denn die Politik und Kommunikation war in der Vergangenheit nicht immer nachvollziehbar und feinfühlig. Aber auf Sympathie brauchen Hacker nicht hoffen, wenn sie ganze Systeme lahm legen, nur weil einer von ihnen wegen illegalen Handlungen vor Gericht gezogen wird. Ich erwarte sogar von Herstellern, dass sie nach Möglichkeit alles tun, um der Verbreitung von "Schwarzspielen" entgegenzuwirken, sei es die Verbannung von gechipten Konsolen von Microsoft im Herbst 2009 oder das Verbauen von Linux auf der PS3 von Sony – hier wird auch der geschützt, der sich Spiele und Filme kauft. Leider wird gerade hier in Deutschland schnell die Sympathie an den vergeben, der einem einen finanziellen Vorteil verschafft. Ob Modulkarte für den DS, Chip für Wii, Laufwerk für Xbox 360 oder Linux auf der PS3 (bei PC ist sowieso Land unter…), inzwischen sind wir soweit, dass jedwedes Rechtsverständnis und –wissen aussetzt. Beispiel R4-Karten: Der Besitz ist Privatpersonen nicht verboten, sobald aber Spiele aus dem Internet auf eine Karte geladen oder Spiele am PC kopiert werden, ist dies natürlich illegal. Da können sie aber mit Pseudospezialisten inklusive noch gefährlicherem Viertelwissen Tage diskutieren. So mancher Spieler mag diese Tage wieder Hacker mit Hooligans vergleichen: Die fühlen sich auch als die wahren Fans, wollen angeblich immer nur unter sich prügeln – oder gegen die Polizei - schädigen aber einem ganzen Sport. So sollen sich die Bandbreiten-Hooligans irgendwo in einer Lagerhalle treffen, ein lokales Netzwerk aufbauen und sich gegenseitig hacken, wie sie lustig sind. Und der spielenden Familie ihren Spaß an der Konsole oder dem PC lassen.




Endlich ist es wieder so weit. Zum dritten Mal öffnet die gamescom ihre Tore und lockt damit Videospieler aus aller Welt...




