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Studie belegt: Jugendschutz endet an der Haustür

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Es ist ein bisschen wie in dem klicksafe.de-Spot "Wo ist Klaus?" aus der Kino- und Fernsehwerbung, in dem eine Mutter Skinheads, wild ballernde Zukunftssoldaten und sogar eine Prostituierte in ihr Haus und zu ihrem Sohn lässt: Obwohl es in Deutschland inzwischen immer mehr Eltern gibt, die selbst mit Video- und Computerspielen aufgewachsen sind, bleiben Kinder sich bei diesem Thema meist selbst überlassen. Das belegt die erste deutsche Studie zur Rezeption interaktiver Medien, Video- und Computerspiele, die wir zur Games Convention herausgeben.

 

"Versuch macht kluch" Indizierung, USK, Killerspieldebatte - obwohl uns Gamern die Themen meist zum Hals raushängen, dreht sich doch in Diskussionen um uns herum immer wieder alles um die gleichen Punkte. Dabei endete die Debatte meist bei der Frage, wie weit Eltern den Konsum ihrer Kinder beobachten oder kontrollieren. Da der videospielplatz es leid war, alle möglichen Studien gegeneinander auszuhebeln, starteten wir daher schon letztes Jahr eine eigene Untersuchung, die nun pünktlich zur diesjährigen Games Convention fertig ist. Ergebnis: Keine gesetzliche Regelung hat eine Chance, wenn sie an der Haustür endet. 

Wer fragt gewinnt... Und zwar Erkenntnisse. Es begann als Idee für eine Umfrage, dann wurde eine Studie draus und schon war das Projekt geboren. Mit Engagement und einigen Helfern stand der videospielplatz zuerst vor Elektronikfachmärkten in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die nach bestimmten Kriterien ausgesucht wurden. So musste die entsprechenden Märkte mindestens 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche und eine eigene Abteilung für Videospiele haben. Entgegen unserer Befürchtung waren dann die angesprochenen Erwachsenen und Eltern sehr gerne bereit ( gegen Bestechung mit Kaffee und Gebäck ) uns Rede und Antwort zu stehen. Fast viertausend Personen machten bei der Befragung mit, nahezu alle Daten waren auswertbar. Daraus ergab sich, dass weniger als 25% der Befragten sich dafür interessieren, was auf den Konsolen oder PCs der Kinder gespielt wird. Vor allem die Väter machen hier eine recht verantwortungslose Figur, denn zwei Drittel der männlichen Erziehungsberechtigten interessieren sich nicht die Bohne für die Spiele ihrer Kinder. In einem Land, in dem Schulkinder nach einem Rausschmiss aus dem Unterricht wieder in den Klassenraum geklagt werden ein interessantes Ergebnis.

Obwohl Mütter dabei etwas besser dastehen, bleiben sie jedoch weitestgehend inaktiv. Hier sind es zwei Drittel der Befragten, die überhaupt nicht mit ihren Kindern zusammen spielen, insgesamt verbringt auch nur jeder Siebte regelmäßig Zeit mit seinem Kind vor der Konsole oder dem PC, um aktiv mit zu spielen. Dabei sind die Eltern aus einer Generation, die mit Spielen wie Zack McKracken, Day of the Tentacle, Wing Commander oder Monkey Island aufgewachsen ist. Und immerhin verbringen die Kinder der Befragten durchschnittlich 104 Minuten pro Tag an der Konsole. Stellt sich spontan die Frage, warum Eltern Handys schon für Grundschulkinder befürworten, damit sie immer wissen wo sie stecken und im Gegenzug ihre Sprösslinge über eineinhalb Stunden "in die Obhut" einer Konsole geben, ohne zu wissen, was sie dort treiben. Nicht ganz so gut hilft dabei auch die USK. Zwar hatten viele davon gehört, waren sich aber nicht ganz sicher, was sie ist und was sie in etwa macht, viele verwechselten sie aber mit der PEGI Einstufung oder interpretierten die Zeichen falsch. Auch hier schneiden die Väter recht schlecht ab, denn lediglich ein Fünftel lässt die Einstufung auf die Kaufentscheidung Einfluss nehmen. Allerdings sagt auch ein Drittel der Befragten, dass sie nicht ausreichend über die USK aufgeklärt sind, vor allem nicht durch die Medien. Beeindruckende neunzig Prozent der Mütter fühlen sich dabei nicht ausreichend von den Medien über die USK informiert. 

USK - Unbekannt, Sinnlos, Kinderlos Stichwort USK. Wenn man schon davon nichts gehört hat oder nicht genau weiß, wie die mir helfen, dann sollte man meinen, dass Eltern selbst eine recht gute Einschätzung haben, für welches Alter bestimmte Spiele geeignet sind. Obwohl gerade Mütter eher zu einer strengeren Einstufung tendieren, sind die Ergebnisse sehr differenziert und entstammen meist einem Impuls heraus. Dies zeigte sich vor allem, als den Probanden von einem Spiel erst nur ein Video gezeigt wurde, anschließend dasselbe Spiel selbst gespielt werden musste. In den meisten Fällen fiel das den Eltern gar nicht auf und so wurde dann meist nach der interaktiven Teilnahme das Spiel strenger bewertet. Doch was nutzt das, wenn die Eltern die Spiele der Kinder nicht kennen oder kontrollieren? Es ist zwar beruhigend, wenn Mütter nahezu durch die Bank Spiele recht streng bewerten, sie aber im gleichen Anlauf nicht wissen, was im Kinderzimmer überhaupt gespielt wird. Da verpufft die Fürsorge vollends und ist wie Fahrrad fahren ohne Kette. Das mag daran liegen, dass Frauen Gewaltspiele häufig uninteressant finden oder sich damit nicht befassen wollen, doch damit ist das Problem nicht gelöst. Kein Erwachsener spielt freiwillig Eierlaufen oder andere Kinderspiele, doch für den Kleinsten macht man’s mit. Und wenn der Sprössling bei den Mini-Kickers mitspielt, steht man wo am Sonntag? Richtig, auf dem Sportplatz. Lädt sich aber der Junior mit 14 GTA San Andreas auf die Konsole, scheinen die Eltern die Begeisterung, aber auch die Fürsorge verloren zu haben. Denn wie die Studie belegt, steigt gerade die Sensibilität für die richtige Einstufung rapide an, wenn man als Erwachsener selber mal das spielt, wofür sich das Kind begeistert. Die USK wird jedoch von vielen Eltern als typische Behörde angesehen, die auch nur so entscheidet, wie es politisch gewollt ist. Überstudierte Pädagogen und realitätsfremde Beamte wollten den Eltern sagen, was für ihr Kind gut ist und was nicht. "Das weiß ich selbst schon besser!" ist der meiste Kommentar dazu. Richtig. Wenn man weiß, was man einschätzen muss, dann schon. Wenn ich keine Ahnung habe, was mein Kind da spielt und ich mich damit nicht auseinander setze, dann bringt mir mein ganzes Einschätzungsvermögen nichts. 

Manipulation nach Padawan-Art Man kennt das aus dem Klassiker Krieg der Sterne: Der Jedi kann mit ein paar PSI-Tricks den Willen seiner Umgebung beeinflussen. Junge Jedis heißen Padawane und diese Fähigkeit scheint bei Kindern in Deutschland auch schon vorhanden zu sein. Beim dritten Teil der Studie luden wir Eltern mit ihren Kindern zwischen 12 und 15 in die Redaktion ein und ließen die Erwachsenen Spiele für die Kinder aussuchen. Interessant zu beobachten war, dass Eltern sehr schnell die Diskussionsführung an ihre Kinder abgaben, wenn die Kleinen ein Spiel haben wollten, dass für sie nicht geeignet war. Unbemerkt übernahmen die Nachwüchse die Rolle der aktiven Person und bearbeiteten die Eltern so lange, bis diese den Wunsch der Kinder vor ihre Einstufung stellten. Darauf angesprochen waren meist die Eltern der Meinung, dass sie doch selbst entschieden hätten, welches Spiel die Kiddies bekommen sollten. Jedoch fehlte in der ganzen gelaufenen Diskussion meist eine klare Grenze der Eltern. Sie begannen, sich dafür zu rechtfertigen, warum das Kind ein bestimmtes Spiel nicht haben darf, erläuterten Gründe dafür und argumentierten mehr emotional. Eine klare Aussage, wie beispielsweise "Das Spiel ist nichts für dich und daher bekommst du es nicht - basta!" fehlte nahezu komplett. Schon nach kurzer Zeit wurde dem Kind, fast entschuldigend, erläutert, warum es der Einschätzung der Eltern nach "Beowulf" nicht spielen darf. Die Kinder unterbrachen meist die Argumentation und brachten bewährte Mittel wie Trotz und bekannte Vergleiche ein ("Der Martin darf das aber auch spielen…"). Was kam dann immer von unseren Eltern? Richtig! "Wenn Martin von der Brücke springt, springst du dann hinterher?" Fehlte hier quasi komplett. Manche erklärten uns, dass man den Eltern anderer Kinder mehr Ahnung bei Videospielen zutraue, da man selbst kaum Ahnung von der Materie habe. Somit wird ein Bekannter zum Entscheidungsträger über die Tauglichkeit von Videospielen der eigenen Kinder. Eltern trauen eher Personen ihrer Nachbarschaft zu, ob ihre eigenen Sprösslinge ein Spiel haben dürfen, als der USK, die aus Pädagogen und anderen Spezialisten besteht. 

Wenn nicht du - wer dann? Das Ergebnis der Studie bestätigt für uns viele Vermutungen, aber manche Resultate überraschten uns schon, vor allem in der Eindeutigkeit der Werte. Die Studie zeigt nicht, dass gesetzlicher Jugendschutz sinnlos ist, sondern dass er nur konsequent umgesetzt werden muss. Der Staat oder die USK können nicht in jedes Haus mit Kindern einen Prüfer abstellen, dafür gibt es die Eltern, auf deren Mithilfe die einzelnen Institutionen zählen müssen. Gesetzlicher Jugendschutz geht weiter als bis zur Kasse beim Händler und darf nicht an der Haustür enden. Dazu müssen jedoch Videospiele als Freizeitbeschäftigung anerkannt werden, was nicht heißt, dass es die einzige Gestaltung der freien Zeit sein soll. Lieber weniger spielen lassen, dann aber das Richtige, das ist ein Credo aus der Studie. Doch ich muss als Elternteil auch bei meinen Kindern in der Pubertät noch Interesse an deren Hobbys zeigen und mich nicht mit Pseudoargumenten wie "Wenn ich mich zurückziehe, wird er selbständiger." oder "In der Pubertät macht sie sowieso, was sie will, da kann ich nichts machen." herauswinden. Da muss man sich an die Konsole oder den PC setzen, sich die Spiele ansehen und mal selber ausprobieren, auch wenn das der Nachwuchs erstmal nicht will. Es ist auch nicht richtig, dass ein Jugendlicher unweigerlich zum Amokläufer wird, wenn er Spiele spiel, die für sein Alter nicht geeignet sind. Aber allein die Verantwortung für mein Kind verpflichtet mich, dass es mit dem aufwächst, was geeignet für ihn oder sie ist. Man schenkt einem Kind zum 14. Geburtstag ja auch keinen Pornofilm. Und sich mit der USK auseinander zu setzen, schadet auch nicht. So verbohrt sind die nämlich alle nicht. Das Ganze kann so einfach sein: Kümmere DU dich drum! 


Die Studie findet ihr hier: www.videospielplatz.de/Elternstudie


 
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